Die Brahmaeidae (Wiesenspinner) sind weltweit nur mit wenigen Arten vertreten und wirken durch ihre breiten Flügel, klaren Linienmuster und warmen Braun‑ und Ockertöne besonders eindrucksvoll. In Mitteleuropa ist die Familie extrem klein, und in Sachsen wird sie ausschließlich durch den Habichtskraut‑Wiesenspinner (Lemonia dumi) vertreten. Die Falter fliegen überwiegend in der Dämmerung und zeigen eine ruhige, kraftvolle Flugweise. Die Raupen sind kontrastreich gezeichnet und leben an niedrigwüchsigen Korbblütlern, vor allem an Habichtskräutern (Hieracium) und Flockenblumen (Centaurea).
In Sachsen nutzt Lemonia dumi vor allem offene, trockene bis mäßig frische Standorte: Magerrasen, trockene Säume, Böschungen, Heiden und lichte, extensiv gepflegte Offenlandbereiche. Entscheidend sind sonnige, strukturreiche Flächen mit einem stabilen Angebot an krautigen Futterpflanzen und ungestörten Entwicklungsbereichen.
Der Habichtskraut‑Wiesenspinner reagiert empfindlich auf Verbuschung, Nutzungsaufgabe, intensive Mahd oder Beweidung sowie auf die Umwandlung artenreicher Trockenrasen in nährstoffreiche Grünländer. Sein Vorkommen zeigt an, wo traditionelle, extensiv gepflegte Offenlandschaften noch erhalten sind. Damit ist die Art ein wichtiger Indikator für den Zustand unserer trockenen und halboffenen Lebensräume – und zugleich ein besonders schützenswerter Bestandteil der sächsischen Fauna.
| 06805 | Lemonia dumi (Linaeus, [1760]) | Habichtskraut-Wiesenspinner |
| 06806 | Lemonia taraxaci (Denis & Schiffermüller], 1775) | Löwenzahn-Wiesenspinner |
